Wer als Hausfrau, Mutter, Student oder Teilzeitarbeiter den Nachmittag vor dem Fernseher verbringen darf, wird in Deutschland auf eine harte Probe gestellt. Denn wer sich auf geistreiche Unterhaltung freut, ist leider fehl am Platz. Stattdessen bieten einem diverse Serien einen „realistischen“ Einblick in das Leben der Nation mit sämtlichen Problemen, Freuden und Missgeschicken des Alltags.
Besonders beliebt scheint die niemals endende Serie „We are Family“ zu sein, die schon gefühlte 10 Jahre immer zur gleichen Zeit über den Bildschirm flackert und einem nach ausgiebiger Betrachtung ein schönes Gefühl der Normalität vermittelt. Denn was man dort tagtäglich (gespielt von Laienschauspielern) zu sehen bekommt, kann einfach nicht dem Leben eines Otto-Normal-Verbrauchers entsprechen und falls doch, gehöre ich gerne zu den Außenseitern.
Besonders beliebte Geschichten scheinen immer wieder auftauchenden Mustern zu folgen und nach spätestens 10 Folgen hat jeder Zuschauer das System durchschaut:
Die 16jährige Mandy aus Leipzig lebt bei ihrer trinkenden und arbeitslosen Mutter Sandy. Die beiden haben ständig Streit und deshalb kommt Mandy immer seltener nach Hause und übernachtet bei ihrem Freund Kevin, 25 und Schulabrecher! Die beiden sind verliebt wie am ersten Tag, auch wenn Kevin schon ein oder zwei Ausrutscher mit anderen Frauen hatte. Trotzdem wollen die beiden bald heiraten, da Mandy gerade erfahren hat, dass sie im dritten Monat schwanger ist. Sie vermutet, das Kind ist von Kevin, ist sich aber nicht sicher. Auch Rauchen und Trinken gehört zu dem normalen Leben der Teenager von heute und so gammeln die beiden gerne tagsüber in der Einraumwohnung herum und gehen nochmal genauesten durch, mit wem Mandy alles in der letzten Zeit geschlafen hat. Kevin macht ihr einen Antrag, sie nimmt ihn an und 3 Folgen später lassen sich die beiden wieder scheiden, das Kind wächst ohne Vater auf und Mandy lebt wieder bei ihrer Mutter.
Wenn so oder so ähnlich das Leben in Deutschland aussieht, drängt sich einem doch die Frage auf, was da so alles schief läuft. Ist es tatsächlich die immer schlechter werdende Bildung, die wachsende Migrationszahl oder einfach die Sensationslust der Deutschen, die solche Serien so erfolgreich machen? So lange ich mich jedenfalls schrecklich normal fühle und insgeheim über Mandy lächeln kann, ist meine Welt in Ordnung und ich kann mich ohne Scham der seichten Unterhaltung hingeben. Denn eins ist klar: so lebt Deutschland sicher NICHT.
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